La Stampa, Enno Bunger, Efterklang, Die Aeronauten

La Stampa mit „Pictures Never Stop“

In Italien eine der bekanntesten Tageszeitungen, hier eine noch unbekannte Band. La Stampa nennt sich der international zusammengewürfelte Fünfer mit Übergangsbasis in Berlin. Die Band um die englischsprachigen Kunstschreiberlinge Jan Verwoert und Jörg Heiser setzt sich auf dem Debütalbum „Pictures Never Stop“ nicht nur musikalisch, sondern auch bildgewaltig in Szene. Ein Stilleben aus Art und Rock und Retroness sozusagen. Off-Beat-Gitarren und New-Wave-Melodien – das alles hat man schon x-mal gehört – dennoch aber stechen La Stampa mit ihrer Art-Atzigkeit positiv heraus, erinnern stellenweise an die programmatisch ähnlich veranlagten The Robocop Kraus.

Enno Bunger mit „Ein bisschen mehr Herz“

Bitte nicht mit dem Krawall-Label Ed Banger verwechseln! Enno Bunger musiziert Lichtjahre entfernt von bratzigen Pariser Filter-Techno. Statt Justice 2.0 einigen sich die Mitmacher des Trios aus dem niedersächsischen Leer lieber auf so etwas wie Keane 1.1. Auf dem Debütalbum „Ein bisschen mehr Herz“ liefern die Jungs Gefühls-Pop, wie ihn meistens nur Bands aus Großbritannien hinbekommen. Für Fans der etwas ruhigeren Gangart – keine Angst, bis Enya ist noch ein bisschen.

Efterklang mit „Magic Chair“

Wohnen oder doch schon leben? No-Name-Produkt oder doch die Design-Variante? „Nur“ Band oder doch schon Musik-Ensemble. Efterklang aus Schweden wohnen vermutlich nicht mehr bei ihren Eltern und auch als „duchdesignt“ würde man die Musiker jetzt nicht unbedingt bezeichnen. Bleibt nur noch zu klären: Band oder Ensemble? Wir behaupten mal letzteres. Das zehnköpfige Kollektiv verwischt auf seinem neuen Album „Magic Chair“ die Grenzen zwischen Rock-Purismus und zusammengezimmerter Opulenz. „Musik fürs Bildungsbürgertum“ werden die einen da leicht verächtlich sagen, die anderen hingegen werden schwärmen und begeistert sein von den ausufernden Songs, bei denen auch Cello und Bratsche mitmachen dürfen. Wir hingegen halten uns ausnahmsweise mal – journalistisch korrekt – zurück. Urteilt selbst.

Die Aeronauten mit „Hallo Leidenschaft“

Vier Jahre verbuddelt und komplett zurückgezogen – was das Kollektiv angeht. Umtriebig waren die Mitglieder der besten Hamburger-Schule-Band der Schweiz aber trotzdem – als Gäste, in Kollaborationen oder mit Nebenprojekten. Viel zu viel um hier aufzuzählen. Jetzt haben sich die Schaffhausener noch mal um ihren Frontmann Olifr M. GUZ (gesprochen: Oliver M Gutz) versammelt und veröffentlichen mit „Hallo Leidenschaft“ ein neues Werk. Mit gewohnt altem Aeronauten-Klang. Soll heißen: Während Jazz und Punk knutschten, steht der Wortwitz dabei und wirft etwas Zynisches in den Raum. Auch wenn die Hamburger Schule, zu der Die Aeronauten immer wieder gezählt werden, längst leersteht, so ist es dennoch schön, dass nach so viel Jahren im Klassenzimmer der Schweizer Band immer noch ein Kunststückchen gelingt.

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19.02.2010

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