Frightened Rabbit mit „The Winter of Mixed Drinks“

Spätestens wenn solche Vokabeln fallen wie „North Sea“, wissen wir: Von soooo weit weg kann die Band nicht kommen. Und ja, richtig: Frightened Rabbit stammen aus Schottland. Abgesehen von einigen Vokabeln mit Lokalkolorit geht es aber trotzdem thematisch sehr global zu in den Songs auf ihrem neuen Album „The Winter of Mixed Drinks“. Einsamkeit, Selbstfindung, Leben-für-den-Moment – das kennt man in irgendeinem Kaff an der Nordseeküste genauso wie auf einer südlichen Megametropole. Doch keine Angst, Frightened Rabbit verlieren sich nicht in der gern goutierten Linkin-Park’schen Teenage-Depression. Das Besondere an dem Songwriting der Schotten ist nämlich die Pop-Wucht, die in den Songs des dritten Werks ähnlich präsent ist wie zum Beispiel auch bei The Arcade Fire oder den Stars. Lobeshymnen gab es „The Winter of Mixed Drinks“ schon reichlich und auch wir machen mit beim Jubeln und Gut-Finden.
Two Door Cinema Club mit „Tourist History“

Gerade einmal zwei Wochen ist es her, da standen viele Kopf wegen der britischen Band Delphic. Deren Rezept – Alternative Rock trifft auf Eighties-Groove und Elektro-Pop – war zwar nicht das Allerneuste, die Umsetzung war aber stimmig wie schon lange nicht mehr. Jetzt, nur wenige Tage, nachdem die Hype-Sau durchs Dorf getrieben wurde, saugen schon die ersten Ferkel an der Zitze. Das ist zumindest der erste Eindruck, wenn man sich durch „Tourist History“ hört, dem Debütalbum von Two Door Cinema Club. Doch natürlich kann man dem britischen Trio das plumpe Kopieren nicht wirklich vorwerfen: In gerade mal zwei Wochen dürfte es bisschen schwierig sein, einen Plattendeal abzugreifen und gleich noch ein Album wie „Tourist Hitstory“ einzuspielen. Wer also zuerst da war – ob Delphic oder Two Door Cinema Club – das sei mal dahin gestellt. Und auch auf die Frage, wer nun das bessere Album eingespielt hat, können wir nicht wirklich beantworten. Vielleicht nur so viel: Two Door Cinema Club klingen etwas weniger bemüht und wesentlich entspannter. Für Freunde des Delphic-Sounds aber definitiv ein Muss.
Good Shoes mit „No Hope, No Future“

Als die Londoner Good Shoes vor gut drei Jahren textlich die innerstädtische Langeweile vertonten, witterten viele the next big indie thing. Und ja, das damalige Debütalbum „Think Before You Speak“ war monoton in der Soundhaltung, aber indiepoppig in der Ausführung. Somit: Eine sehr beklatschenswerte Platte. Jetzt, nach drei Jahren, kommt mit „No Hope, No Future“ das zweite Werk. Die innerstädtische, gelangweilte Anspruchshaltung ist geblieben, das poppig-beklatschenswerte hat sich aber leider etwas verflüchtigt. Unterm Strich ist also ein Album geblieben, was an die herausragende Qualität des Debüts nicht anknüpfen kann. Dennoch, für den einen oder anderen Monoton-Hüpfer in der Indie-Disse eures Vertrauens wird’s reichen.
Broken Bells mit „Broken Bells“

Ihre erste Single „The High Road“, die im Dezember erschien, versprach Gewaltiges. Lässig klang sie, gut gereift, hochklassig produziert. Jetzt erscheint das dazugehörige Album der Broken Bells – das leider ein kleines bisschen enttäuscht. Aber auch wirklich nur ein ganz kleines Bisschen. Dass was der The-Shins-Sänger James Mercer und der allesproduzierende Dangermouse zusammengezimmert haben, macht nämlich kurzfristig richtig Spaß und verbreitet großspurig sehr legere Grundstimmung. Nur leider, und das ist das Manko des Albums – versinkt die Stimme von Mercer gelegentlich in den allzu lässigen, fast schon zu verkifften Beats von Dangermouse. Und in genau jenen, wenn auch seltenen Momenten wäre man mit einer DJ-Shadow-Platte oder einem 90er-Jahre-Herbalizer-Track vielleicht besser aufgehoben. Ansonsten aber, wie im folgenden Stück, Daumen hoch für das gemeinsame Werk des Indie-Pop-Sängers und des Allesproduzierers.

Wirklich Neues war von diesen Elder Statesmen auch nicht zu erwarten. Wenn eine Band nach mehreren Alben endlich ihren eigenen Klang gefunden hat und der auch noch nicht komplett von Nachahmern erschlossen wurde, dann ist eine Neuerfindung nicht wirklich nötig. So gesehen macht das dänische Quartett Kashmir auf seinem immerhin schon sechsten Albums „Trespassers“ alles genauso wie schon auf den letzten beiden Werken. Latent noch Rock, im Prinzip aber schon Pop, kurz vor der Grenze Richtung Heulsusen-Schublade. Im Kashmir-Lager wird der Bigger-Than-Big-Pathos der Jungs definitiv beklatscht werden, alle Fachfremden sollten vielleicht mit dem Frühwerk der Band einsteigen um die Entwicklung vom Blues zum Pop zu würdigen.




















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