Radio Arty mit Gogoplata und EMESS

… mit den Ohren gucken!

Berlin ist nicht nur Hauptstadt der Musik, sondern auch Hauptstadt der Kunst. Und damit die auch mal zu Wort kommt, reißt Yaneq jeden Donnerstag die Ohren ganz weit auf und lädt sich die passenden Gäste aus der Szene ein.

Er informiert, welche spannenden Künstler gerade in der Stadt sind und welche Vernissage man auf keinen Fall verpassen sollte. Danach wird die maßlose Fülle an Galerien, Vernissagen, Aktionen und Auktionen keinen mehr schocken.

Radio Arty – Kolossale Musik, krasse Kunst und kulturelle Kollateralschäden – eine Stunde MotorFM zum Einrahmen und an die Wand hängen.

Gogoplata

Aufgewachsen in Berlin erlernt der Comic-Enthusiast Gogoplata schon früh das Handwerk des Zeichnens autodidaktisch. Als Graffitikünstler trainiert Gogoplata viele Jahre seine handwerkliche Flexibilität auf Berlins Strassen und arbeitet parallel als Designer und Animator bei professionellen Zeichentrickfilmproduktionen. Fasziniert vom kalifornischen Pop-Surrealismus und legendären ‚Lowbrow‘ Künstlern wie Robert Williams, Todd Schorr, Comiczeichnern wie Robert Crumb, Charles Burns und Fil macht Gogoplata seine Passion als Illustrator und Maler in Berlin zum Beruf.

Als Inspirationsquelle dient Gogoplata vor allem der Alltag und die Welt der Medien mit ihren Auswirkungen auf Gesellschaft und Individuum. Wie ein Jazz-Musiker improvisiert Gogoplata in seinen Arbeiten Zusammenhänge, die sich dem Betrachter häufig erst in der finalen Visualisierung erschliessen. Gogoplatas vielseitiges, schöpferisches Potenzial bewegt sich dabei im „nicht offensichtlichen“ – Inneres nach aussen kehrend, formuliert er Zustände, macht Stimmungen, Neurosen sichtbar und thematisiert typisch urbane Gefühlslagen.

Seine Protagonisten wirken häufig sich selbst überlassen, ungewollt sich selbst zitierend sind sie ohnmächtig in der veräusserlichung ihrer zustände gefangen – katharsis impossible. Dennoch flutet Gogoplatas zärtliche, treffende Strichführung den Betrachter mit Wärme, hinterlässt ihn einer unbestimmten aber feinen Heiterkeit und bietet ihm gleichzeitig den Ausweg durch die Hintertür des Gelächters – falls es einem nicht sofort im Halse stecken bleiben will …

EMESS

Der Berliner Urban Artist EMESS befindet sich auf einer sehr persönlichen Entdeckungsreise. EMESS Reise ist eine Odyssee quer durch den Stadtkosmos, durch Materialitäten, Ausdrucksformen und Inhalte. Stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen und Umsetzungsmöglichkeiten erforscht EMESS die Gestaltungsmöglichkeiten und Wirkungsweisen des öffentlichen Raumes. Dabei nutzt der einstige UDK Meisterschüler geschickt die Besonderheiten des städtischen Umfelds und versucht mittels künstlerischer Irritationsmomente gewohnte Überzeugungen zu hinterfragen.

Einerseits versucht EMESS auf gesellschaftliche und städtische Veränderungen aufmerksam zu machen – wie z.B. durch seine Paste-up-Armada von 36 großformatigen Segelschiffen in der alten Schönhauserstrasse. Die „Flagshipstore Invasion Berlin 2008“ mahnt dabei an die Vertreibung kleiner Ladengeschäfte durch kapitalkräftige Handelsketten und deren Flagship Stores in Mitte. Die Serie von riesenhaften Bombern, die bewaffnet mit überdimensionierten Fernsehern die Warnung „Watch your Head“ skandieren, ist eine Arbeit die sich mit dem heutigen Gebrauch visueller Medien auseinandersetzt.

Zum anderen nutzt EMESS städtische Besonderheiten und sucht auf deren Veränderungen zu reagieren – wie beispielsweise bei seiner „Deutsche kauft nicht bei Nazis“ Plakataktion in der Rosa Luxemburg Strasse oder wie durch die Gestaltung des Dathe Pavillions am Lichtenberger Tierpark. Dabei nutzt EMESS vorzugsweise spezielle Termine und Orte um gezielt Irritations- und Erinnerungsmomente in den Stadtraum zu streuen – ein Beispiel hierfür mag die Aufstellung von drei Großplastiken zur 5. Berlin Biennale im Umfeld des ehemaligen Todestreifens sein. Mittels seiner Betonstehlen in Form eines aufgepflanzten M16 Schnellfeuergewehres mit Stahlhelm und Schutzbrille will EMESS der Kriege in aller Welt und deren Tote gedenken.

In all seinen Aktionen macht EMESS es sich zum Ziel Gewohntes zu hinterfragen und dem Vergessen durch die Schnelligkeit unserer heutigen Medien Einhalt zu gebieten.

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25.02.2010

RADIO ARTY

Donnerstag 19 Uhr
Samstag 16 Uhr
Dienstag 0 Uhr

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